Der Streit um den Straßennamen "Bartholomäus-Schink-Straße" und das Mahnmal


Die anhaltenden Diskussionen unter Ehrenfelder Bürgern, Kölner Politikern und Künstlern drehen sich hauptsächlich um die Frage, ob Bartholomäus Schink, der 1944 sechzehnjährig ohne Gerichtsurteil von der Gestapo gehängt wurde und nach dem eine Straße in Köln-Ehrenfeld benannt ist, überhaupt ein Widerstandskämpfer und Edelweißpirat war und ob die Ehrenfelder Edelweißpiraten politischen oder anders gearteten Widerstand gegen das Nazi-Regime geleistet haben. Auch unter Zeitzeugen gibt es keine Einigkeit, inwieweit Schink überhaupt zu den Edelweißpiraten gerechnet werden konnte; ein Leserbriefschreiber, der selbst einer anderen Gruppe Kölner Edelweißpiraten angehörte, sieht seine Gruppe als politisch Verfolgte bestätigt, spricht aber der Ehrenfelder Gruppe ihre politische Tätigkeit ab, wohingegen ein Freund Bartholomäus Schinks das Gegenteil behauptet. Die Tagespresse berichtet, dass die 1984 in Auftrag gegebene Forschungsarbeit beinhaltet, Schink selbst habe sich gar nicht mit den Edelweißpiraten identifiziert, obwohl er als Symbolfigur der Edelweißpiraten galt. Kölner Politiker sind sich weiterhin nicht einig, ob die Bartholomäus-Schink-Straße umbenannt und das Mahnmal für elf ausländische Zwangsarbeiter und 13 Ehrenfelder Edelweißpiraten an der Hüttenstraße abgebaut oder geändert werden soll.

Chronologie der Ereignisse um Straßennamen und Mahnmal
1952 Die Familie Bartholomäus Schinks beginnt, um seine Anerkennung als politisch Verfolgter zu kämpfen
1957/58Gerichtsentscheid: Bartholomäus Schink wird nicht als Widerstandskämpfer anerkannt
1978 Überprüfung und Bestätigung des Gerichtsurteils auf Veranlassung von Regierungspräsident Antwerpes
Seit Jahren wird eine erbitterte Diskussion unter der Ehrenfelder Bevölkerung geführt, die schon immer in ihrer Meinung gespalten war
Bücher, Theaterstücke und Lieder (Black Fööss, Brings) würdigen die Edelweißpiraten als Widerstandskämpfer
1984Durch die Würdigung Bartholomäus Schinks in Israel für die Rettung von Juden im Dritten Reich entflammen neue Diskussionen. Es kommt zu einer Anfrage im Landtag und zur Vergabe eines Forschungsauftrags an einen Düsseldorfer Historiker
1988Das Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass es sich nicht um "auf hoher ethischer Gesinnung basierenden, aus politischem Verantwortungsbewusstsein gewachsenen Widerstand" gehandelt habe, sondern um Widerstand aus dem Wunsch heraus zu überleben. Trotz Lebensmitteldiebstählen, Plünderungen und Racheakten gegen Nazis lehnen die beiden Wissenschaftler die Verurteilung der Edelweißpiraten als Kriminelle ab. Als Folge des Gutachtens entsteht ein Streit zwischen den politischen Parteien. CDU-Politiker wie der CDU-Fraktionsvorsitzende von Ehrenfeld und der Kölner CDU-Franktionschef fordern die sofortige Umbenennung der Bartholomäus-Schink-Straße und den Abbau bzw. die Korrektur der Inschrift des Mahnmals an der Eisenbahnbrücke. Der NRW-Innenminister (SPD) und der Ehrenfelder SPD-Franktionsvorsitzende sehen weiterhin keine Veranlassung zur Umbenennung der Straße, da Bartholomäus Schink , auch wenn er kein Widerstandskämpfer gewesen sei, ein Opfer des NS-Terrors gewesen sei. Diesem Urteil schließen sich viele Kölner Künstler an.

Meiner Meinung nach gibt es keinen Grund, die Straße umzubenennen oder die Denktafel zu ändern.
Auch wenn die Ehrenfelder Edelweißpiraten "nur" mit dem Willen zu überleben und nicht wegen ihrer politischer Überzeugung Widerstand geleistet haben, sind sie widerrechtlich von der Nazimacht hingerichtet worden, was für mich Grund genug für eine Ehrung/ Erinnerung ist.

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